Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2005, Nr. 288, S. 36
Feuilleton
Geschmackssache Jedermann sein eigener Kritiker Das Essen erklärt sich auch ohne den Rat eines erfahrenen Mannes
Man kann den Vorgang des Essens als eine Form der Entschlüsselung sehen, die eine ganze Palette von Erkenntnisakten einschließt, von der Identifizierung konkreter Objekte bis zu komplexen ästhetischen Betrachtungen. Unter Beachtung der vielfältigen Beziehungen zwischen Essen und Gesellschaft sollte das kulinarische Werk zudem nicht als isoliertes Phänomen gesehen werden, das ausschließlich mit immanenten Kategorien beschrieben wird, wie dies in der klassisch-handwerklichen Beurteilung der Qualität einer Essenszubereitung der Fall ist, sondern als Summe von Intention, Vermittlung und Rezeption. Es hat in ...