Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.1999, Nr. 291, S. 49
Feuilleton
Namenslasten
In Geretsried, einem Städtchen an der Isar südlich von München, hat sich der Kulturreferent ins Gerede gebracht. Der Anlass: die Umbenennung der dortigen Kolbenheyerstraße. Erwin Guido Kolbenheyer war ein Spezialist des "Kampfs der germanischen Seele um ihre Selbstwerdung". Seine Romane und Dramen (zum Beispiel "Jagt ihn, ein Mensch", 1931 in Düsseldorf uraufgeführt) strotzen von hoch gedonnerter, pseudoaltertümlicher Sprache und dampfen von antizivilisatorischem, völkischem, nationalsozialistischem Geist. Von 1945 an hatte Kolbenheyer fünf Jahre lang Schreibverbot. Nach ihm aber wurde in Geretsried, w ...