Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 05.05.2002, Nr. 18, S. 59
Gesellschaft
Das Erfurter Tagebuch Wie die Bürger der Stadt das Massaker im Gutenberg-Gymnasium verarbeiten / Von Julia Schaaf
Freitag, 26. April: Als erstes ändert sich die Geographie der Stadt. Erfurt scheint plötzlich nur noch aus drei Orten zu bestehen: dem Rathaus, dem Dom und dem Johann-Gutenberg-Gymnasium, in dem ein ehemaliger Schüler vor wenigen Stunden 17 Menschen erschoß - zwölf Lehrerinnen und Lehrer, zwei Achtkläßler, die Sekretärin, einen Polizisten und sich selbst. Der "Anger", sonst Zentrum der Fußgängerzone, verwaist. Statt dessen verwandelt sich die unspektakuläre Andreasstraße in die wichtigste Schneise: Sie verknüpft auf einmal nicht mehr irgendwelche Wohngebiete nördlich ...